Der Energieausweis - ist er nun Pflicht oder nicht?

 

Der Energieausweis - ist er nun Pflicht oder nicht?

Um die Frage kurz und knapp zu beantworten: Ja, der Energieausweis ist Pflicht gemäß der Energieeinsparverordnung. Dieser Ausweis macht Angaben für die Bewertung des energetischen Zustands von Häusern und anderen Gebäuden. Dieses Dokument besteht aus fünf Seiten. Darin enthalten sind nicht nur allgemeine Daten, sondern auch Informationen zur Heizung an sich, und auch zu den Energieträgern, die verwendet werden. Weiterhin sind darin auch die Energiekennwerte des Hauses zu finden. In den neuen Ausweisen wird auch die jeweilige Energieeffizienzklasse aufgeführt.

Die Themen im Überblick:

Die Energieausweis Pflicht – nicht für alle bindend

Für jeden, der eine Immobilie entweder verkaufen, verpachten oder vermieten möchte, ist ein Energieausweis verpflichtend. Dasselbe gilt auch für Leasinggeber. Auch wer ein Gebäude vollkommen neu bauen möchte, oder eine umfassende Sanierung plant und dabei eine energetische Gesamtbilanzierung nach EnEV erstellen lässt, benötigt diesen Ausweis. Das ist beispielsweise der Fall bei einem KfW-Effizienzhaus.

Die EnEV trat im Jahr 2014 in Kraft, seitdem ist es notwendig, dass auch in Immobilienanzeigen bestimmte Angaben aufgeführt werden müssen. Dazu zählen der Energiekennwert und die Effizienzklasse. Wurden die Ausweise bereits vor diesem Zeitpunkt ausgestellt, muss zumindest der Kennwert veröffentlicht werden.

Die Bedeutung des Energieausweises wurde im Jahr 2017 gleich mehrfach durch den Bundesgerichtshof, kurz BGH, unterstrichen. In drei Gerichtsverfahren wurde klargestellt, dass es Maklern nicht mehr erlaubt ist, diese Angaben zur energetischen Qualität eines Hauses zu verweigern.

Keine Regeln ohne Ausnahmen

Wie bei allen Regeln ist es auch hier so, dass es Ausnahmen gibt. Es gibt einige Zusammenhänge, bei denen die Pflicht ausgesetzt wird.

  • Gebäude, die weniger als 50 qm Nutzfläche aufweisen
  • Gebäude, die weitestgehend ungenutzt sind und nicht regelmäßig gekühlt oder beheizt werden
  • Gebäude, die einer speziellen Nutzung unterliegen, beispielsweise Stallungen oder Werkstätten
  • Baudenkmäler, hier gilt das jeweilige Landesrecht

Auch Eigentumswohnungen benötigen keinen Energieausweis, da ein solcher Ausweis nur für ein komplettes Gebäude gilt. Bei einer Wohnanlage ist es zwar möglich, dass unter Umständen auch die Ausstellung eines Ausweises für einzelne Wohneinheiten infrage kommt, allerdings beruhen diese Ausweise dann auf den Gesamtwerten, die zuvor angegeben wurden.

Ein weiterer Sonderfall sind auch Gebäude, die gemischt genutzt werden. Hier sind beispielsweise nicht nur Büros untergebracht, sondern auch Wohnungen, und das in einem einzigen Komplex. Dann ist es notwendig, dass das Gebäude in verschiedene Zonen eingeteilt wird. Anhand dieser Zonen müssen dann zwei Energieausweise ausgestellt werden.

Der Bedarfsausweis – wo ist er verpflichtend?

Der Energieausweis ist in zwei verschiedenen Ausführungen erhältlich, es gibt den Bedarfsausweis und den Verbrauchsausweis.

  • Bedarfsausweis:

    Bei dieser Ausführung wird der Energiebedarf anhand der Größe des Gebäudes, der Anlagentechnik unter Normbedingungen und der verwendeten Baumaterialien ermittelt. Die Anzahl der Bewohner und auch deren Gewohnheiten spielt dabei keine Rolle.

  • Verbrauchsausweis:

    Hier wird als Grundlage für die Berechnung der Energieverbrauch aller Bewohner in den vergangenen drei Jahren genutzt.

Somit ist klar, dass der Bedarfsausweis eine weitaus bessere objektive Beurteilung des energetischen Zustands von Gebäuden ermöglicht als der Verbrauchsausweis, der doch weitaus einfacher ist. Daher ist es obligatorisch, dass er für Neubauten ausgestellt wird. Bei Bestandsgebäuden sieht das allerdings doch etwas anders aus.

Ein Gebäude, das nicht zum Wohnen genutzt wird freie Wahl des Ausweises
Altbau mit höchstens vier Wohneinheiten, gebaut vor dem Jahr 1977 Bedarfsausweis ist Pflicht
Altbau mit höchstens vier Wohneinheiten, gebaut vor dem Jahr 1977, saniert auf dem Mindestanforderungsniveau der ersten Wärmeschutzverordnung freie Wahl des Ausweises
Altbau, gebaut ab dem Jahr 1978 freie Wahl des Ausweises

Wichtig: Jeder Hausbesitzer, der zukünftig eine energetische Sanierung plant, und dafür auch Mittel aus den staatlichen Förderprogrammen nutzen möchte, muss einen Bedarfsausweis vorlegen können.

Pflicht zum Aushang des Energieausweises

In bestimmten Gebäuden, die nicht zum Wohnen genutzt werden, ist es Pflicht, dass der Energieausweis öffentlich ausgehängt wird. Er muss für alle sichtbar im Gebäude angebracht werden. Diese Pflicht gilt vor allen Dingen für Gebäude, die behördlich genutzt werden und einen großen Publikumsverkehr aufweisen. Diese Gebäude müssen zudem mindestens 250 qm groß sein. Dieses Zahl ist relativ neu, zuvor lag die Grenze bei 500 Quadratmetern und sogar 1.000 Quadratmetern. Die Aushangpflicht für den Energieausweis betrifft aber nicht nur Behörden, sondern auch Schulen, Rathäuser und Krankenhäuser. Auch in anderen Nicht-Wohngebäuden muss der Ausweis ausgehängt werden, das betrifft beispielsweise Hotels, Banken und Restaurants, oder auch größere Geschäfte.

Energieausweis – schon seit langer Zeit Pflicht

Dieser Energieausweis ist für Neubauten schon seit dem Jahr 2002 Pflicht. Dasselbe gilt auch für Wohngebäude, die umfassend modernisiert wurden. Für Bestandsgebäude wurde diese Pflicht erst nach und nach eingeführt. Im Juli 2008 mussten die ersten Eigentümer einen Energieausweis für ihr Gebäude vorlegen. Betroffen davon waren zunächst Häuser bis zum Baujahr 1965. Ein halbes Jahr später kamen Häuser dazu, die ab dem Jahr 1966 gebaut worden sind. Die Energieausweis-Pflicht für Nichtwohngebäude besteht erst seit dem Jahr 2009.

Missachtung der Pflicht

Jeder Makler oder Eigentümer, der sein Haus entweder vermieten, verkaufen oder verpachten möchte, und dabei nicht in der Lage ist, den entsprechenden Energieausweis vorzulegen, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Die Strafe für diese Ordnungswidrigkeit kann bis zu 15.000 Euro betragen. Dieselbe Strafe kommt auf einen Besitzer oder Makler zu, wenn der Energieausweis bereits abgelaufen ist.